Sie reden von Jugend, aber sie wollen sie nicht

Die EKD-Synode hat bei der Wahl zum Rat der EKD den Kandidaten der Jugenddelegierten mit dem Wahlergebnis abgewatscht. Eine verpasste Chance und ein schlechtes Signal für die Zukunft, kommentiert evangelisch.de-Portalleiter Hanno Terbuyken.

Auf der Synode in Dresden 2014 wurden die Jugenddelegierten noch hoch gelobt, weil sie das Thema „Digitalisierung“ auf die Agenda gehoben hatten. „Junge Menschen begeistern und für den Glauben gewinnen“ wollte Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm in seiner Vorstellungsrede zur Ratswahl 2015 hier in Bremen.
War wohl nichts.

Denn die EKD-Synode 2015 wollte lieber niemanden wählen wie Ingo Dachwitz (28), der angetreten war, um die jüngere Generation im Rat der EKD zu vertreten. „Bitter“, nannte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister das Ergebnis, der aus seiner Landessynode gute Erfahrungen mit jugendlichen Synodalen mitbringt. Er war einer der Handvoll Unterstützer und Unterstützerinnen, die im Anschluss an den Rückzug von Ingo Dachwitz nach dem 8. Wahlgang (27 Stimmen) Trost und Zuspruch spendeten, darunter übrigens auch der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Dachwitz‘ Heimatbischof Jan Janssen und das jüngste Mitglied des Synoden-Präsidiums, Jonas Straßer (bei seiner Wahl 21 Jahre alt).

Bitter fanden das auch die anderen Jugenddelegierten, die (übrigens ohne Stimmrecht!) in der EKD-Synode mitarbeiten. Zu Recht flossen Tränen der Enttäuschung. Die EKD-Synode hatte 2009 dauerhafte Hoffnung geweckt, als sie Elke Eisenschmidt im zweiten Wahlgang in den Rat wählte. Eisenschmidt war 28 Jahre alt, genau wie Ingo Dachwitz heute. Die Hoffnung von damals ist jetzt Geschichte.

Klar, in seiner Vorstellung zur Kandidatur  (hier zu sehen: Vorstellungsrede EKD) war Ingo Dachwitz ehrlich und nannte sich einen „Suchenden“, ohne Heimatgemeinde, mit einem in der Evangelischen Jugend geprägten Glauben. Aber die evangelische Kirche muss sich zunehmend mit einer individualisierten Christenheit befassen: Mit Solitär-Christen, die ohne Unterstützung einer Gemeinde glauben. Mit Gemeinde-Mitgliedern, die ihrem Konfirmationspfarrer noch verbunden sind, wenn sie schon längst 300 Kilometer weg wohnen. Mit Facebook-Pfarrern und der Aufweichung des Parochial-Prinzips jenseits der alten Kommunikationswege.

Diese Perspektive ist im neuen Rat der EKD schlecht vertreten. Kein Ratsmitglied ist unter 40, jüngstes Ratsmitglied ist Jacob Joussen (geb. 1971). Nach der offensichtlichen Ablehnung von Dachwitz – Indiz dafür ist auch der im Vergleich verhaltene Applaus, den er nach seinem Rückzug bekam – muss sich die Synode fragen lassen, ob sie sich den Herausforderungen der Gegenwart ernsthaft stellen will. Als Aufbruch in die Zukunft kann man diese Ratswahl jedenfalls nicht verstehen.

Wir als Evangelische Jugend sind troztdem stolz auf Ingo und dankbar, dass er sich diesem aufregendem Verfahren gestellt hat und zur Mitwirkung im Rat der EKD bereit war. Vielleicht regt seine „Nicht-Wahl“ doch den Einen oder die Andere zum Nachdenken an.
Danke, Ingo!

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